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ECMA-Codes erklärt: Typen, Bauformen und die Wahl der richtigen Schachtel
In der Verpackungsindustrie gibt es zwei maßgebliche Instanzen für die Klassifizierung internationaler Verpackungsstandards: ECMA und FEFCO. Es gibt zwei, weil sie die beiden Hauptmaterialgruppen abdecken: Karton und Wellpappe.
In diesem Artikel behandeln wir Faltschachteln, ihre Klassifizierung und warum wir ECMA-Codes beim Designen von Kartonverpackungen benötigen. Wir betrachten, wie diese Faltschachtelstandards dabei helfen, Konstruktionen zu identifizieren und die richtige Schachtelverpackung für Ihr Produkt auszuwählen. Wenn Sie mehr über FEFCO-Codes erfahren möchten, lesen Sie unseren Artikel über Wellpappenverpackungen.
Eine kurze Anmerkung zur Terminologie
Bevor wir einsteigen, klären wir einen Begriff, der Verwirrung stiften kann, insbesondere wenn Englisch nicht Ihre Muttersprache ist.
Eine Faltschachtel („folding carton“) ist im Wesentlichen eine leichte Schachtel, die meist aus Karton hergestellt wird (auch Paperboard genannt). Das Material wird gestanzt und gerillt, sodass es in seine endgültige Form gefaltet und je nach Konstruktion geklebt oder verriegelt werden kann.
Denken Sie an Verpackungen wie eine Müslischachtel, eine Medikamentenschachtel oder eine Kosmetikverpackung. Warum heißt es also carton und nicht einfach box?
Im Englischen ist „box“ ein weiter Begriff für viele verschiedene Behälterarten. In der Verpackungsindustrie ist „folding carton“ spezifischer: Er bezeichnet üblicherweise eine aus Karton gefertigte Schachtel, die flach liegend produziert und dann aufgerichtet wird. Man findet sie allgemein auch als faltbare Kartonschachtel beschrieben.
Dies unterscheidet sich auch von einer Wellpappschachtel („corrugated box“), die aus Wellpappe mit gewellter Bahn besteht, generell stabiler ist und überwiegend für Versand und Transport genutzt wird.
In diesem Artikel meinen wir mit Schachtel oder Karton also stets eine solche leichte Schachtel.
Was sind ECMA-Codes?
ECMA steht für European Carton Makers Association. Die ECMA-Organisation veröffentlicht die Klassifikation von Faltschachtel-Konstruktionsstandards, die weltweit anerkannt und verwendet werden. Der Verband unterteilt Faltschachtel-Konstruktionen in Gruppen und weist ihnen einen Code aus Zahlen und Buchstaben zu. Diese Bezeichnungen sind als ECMA-Codes für Faltschachtel-Bauformen bekannt.
Wie helfen ECMA-Codes bei der Standardisierung von Faltschachteln?
ECMA-Codes bieten Schachtelherstellern eine standardisierte Methode zur Identifizierung und Beschreibung von Schachtelkonstruktionen. Diese Standardisierung in der Verpackungsbranche ermöglicht es Herstellern, einen anerkannten Code zu teilen, statt die Konstruktion mit Worten zu umschreiben.
Nehmen wir zum Beispiel eine der beliebtesten Faltschachtelkonstruktionen, den ECMA-Code A20.20.03.01. Er wird häufig für Pharmazeutika, Kosmetika und andere leichte Konsumgüter eingesetzt. Anstatt eine Zeichnung zu senden oder einem Verpackungshersteller die Schachtel mühsam zu beschreiben („eine Schachtel mit versetzten Einstecklaschen, bei der die Laschen an beiden Enden an gegenüberliegenden Wänden sitzen“), verweisen Sie einfach auf den spezifischen ECMA-Code A20.20.03.01, und jede Verpackungsfachkraft versteht sofort, welche Konstruktion gemeint ist. Dies erleichtert die Kommunikation und hilft beim Auffinden eines Designs im Herstellerkatalog. Ein Verpackungsbetrieb in Deutschland und ein Werkzeugbauer in der Türkei verstehen einander dank ECMA-Codes perfekt.
Zudem wissen Hersteller, dass diese Schachtelbauform fachgerecht und praxiserprobt ist. Sie wurde bereits produziert und lässt sich fehlerfrei falten und verschließen. Der Hersteller geht bei der Produktion dieses ECMA-Codes kein Risiko ein; im Gegenteil: Die Fertigung ist effizienter, da Konstruktionsfehler vermieden werden, was die Produktionssicherheit erhöht.
Ein wichtiger Unterschied: Ein ECMA-Code beschreibt das strukturelle Design, nicht aber die Maße. Er gibt im Wesentlichen an, um welche Bauform es sich handelt. Die Größe ist eine separate Variable. Es gibt Kataloge mit parametrisch skalierbaren ECMA-Codes, wie etwa die EngView-Bibliothek für Verpackungsdesigns.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Jeder Verpackungsstandard kann durch Eingabe der erforderlichen Maße für L x B x H skaliert werden, und die Konstruktion berechnet sich augenblicklich neu. Alle Spezifikationen der ECMA-Bauform bleiben erhalten. Nach der Fertigung lässt sich die Konstruktion passgenau falten und erfüllt ihren Zweck.
Sobald Sie die Schachtelabmessungen eingeben und das Material definieren, wird die ECMA-Bauform zu einer produktionsfertigen Strukturkonstruktion. Die Verwendung vordefinierter, skalierbarer ECMA-Vorlagen aus der EngView-Bibliothek spart Zeit und gestaltet den Prozess selbst für Anwender mit begrenzter CAD-Erfahrung schnell und unkompliziert. Da die Konstruktionsregeln des gewählten ECMA-Typs bei der Größenänderung gewahrt bleiben, sinkt das Risiko von Konstruktionsfehlern und die fertige Schachtel behält ihren korrekten Aufbau.
Wofür stehen die ECMA-Codes? Welche Logik steckt dahinter?
Der Aufbau der ECMA-Codes wird leicht verständlich, sobald man das System dahinter erfasst hat. Die Gruppen basieren hauptsächlich auf der Konstruktionsweise der Schachtel und nicht darauf, welches Füllgut darin verpackt wird.
Der erste Buchstabe eines ECMA-Codes kennzeichnet die strukturelle Hauptgruppe:
|
Gruppe |
ECMA-Definition |
Typische Konstruktionen |
|
A |
Längsnahtgeklebte Faltschachteln mit rechteckigem Querschnitt |
Faltschachteln mit Einstecklaschen, geklebte Banderolen, Schachteln mit Automatikboden/Faltboden |
|
B |
Nicht längsnahtgeklebte Faltschachteln mit rechteckigem Querschnitt |
Faltbodenschachteln, Trays, Klappdeckelkonstruktionen, Stülpschachteln |
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C |
Längsnahtgeklebte Faltschachteln mit nicht rechteckigem Querschnitt |
Geklebte Schachteln mit dreieckigen, konischen, vieleckigen oder anderen nicht rechteckigen Grundflächen |
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D |
Nicht längsnahtgeklebte Faltschachteln mit nicht rechteckigem Querschnitt |
Vieleckige oder sondergeformte Schachteln, die ohne herkömmliche Längsklebenaht aufgerichtet werden |
|
E |
Produktbezogene oder integrierte Faltschachteln |
Flaschenträger, Multipacks und Konstruktionen, die speziell an das Produkt angepasst oder in dieses integriert sind |
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F |
Sonstige Faltschachtel-Bauformen |
Sonderkonstruktionen, die nicht eindeutig den Gruppen A–E zuzuordnen sind |
|
X |
Zusatzeinrichtungen für alle Gruppen |
Einsätze, Gefache, Verriegelungs-/Verschlusselemente und weitere Zusatzelemente |
Was bedeutet „längsnahtgeklebt“?
Diese Formulierung sorgt mitunter für Fragen, weshalb wir sie kurz erläutern.
Stellen Sie sich eine typische Müsli- oder Medikamentenschachtel vor. Der Kartonzuschnitt wird umgebogen, um die vier Seitenwände der Schachtel zu bilden, und eine schmale Klebelasche wird mit der gegenüberliegenden Seite verklebt. Diese geklebte Längsnaht formt den flachen Zuschnitt zu einem Schlauch. Die ECMA bezeichnet diese Art der Konstruktion als längsnahtgeklebt.
Dieses Wissen erleichtert das Verständnis der Klassifikation erheblich. Die Ziffern – wie beispielsweise bei A20.20.03.01 – beschreiben Merkmale wie Bodenverschluss, Deckelverschluss und die Wandflächen, an denen diese Verschlüsse angebracht sind. In Gruppe B hingegen bestimmen die Ziffern andere Eigenschaften wie Grundform, Verschlusssystem und Deckelart. Innerhalb jeder Gruppe verweisen die Zahlen auf die wesentlichen Konstruktionsmerkmale.
Gängige ECMA-Schachtelbauformen und ihre Anwendung
ECMA-Codes beschreiben Hunderte verschiedene Schachtelkonstruktionen, doch manche Bauweisen werden im Verpackungsalltag besonders häufig genutzt. Vielfach sind diese Varianten in der Branche auch unter ihren gängigen Handelsnamen statt unter ihrem vollständigen ECMA-Code bekannt.
Faltschachteln mit gleichgerichteten Einstecklaschen
Bei einer Faltschachtel mit gleichgerichteten Einstecklaschen („Straight Tuck End“) schließen die oberen und unteren Einstecklaschen in die gleiche Richtung. Dadurch entsteht eine makellose Vorderseite, und die Schachtel lässt sich leicht öffnen, schließen und befüllen.
Schachteln mit gleichgerichteten Einstecklaschen werden häufig für Kosmetik, Pharmazeutika, Körperpflegeprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und andere leichte Retail-Artikel verwendet.
Ein klassisches Beispiel ist A20.20.03.03 – eine Bauform, der man bei Konsumgüterverpackungen nahezu täglich begegnet.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Faltschachteln mit versetzten Einstecklaschen
Schachteln mit versetzten Einstecklaschen („Reverse Tuck End“) sind sehr ähnlich aufgebaut, allerdings schließen die oberen und unteren Einstecklaschen in entgegengesetzte Richtungen. Sie zählen zu den meistgenutzten Faltschachtelkonstruktionen überhaupt, da sie einfach, wirtschaftlich und leicht aufzurichten sind.
Typische Einsatzbereiche sind Arzneimittel, Kosmetika, Lebensmittel, kleine Elektronikgeräte und sonstige Konsumgüter.
Ein typischer Vertreter dieser Bauart ist A20.20.03.01.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Faltschachteln mit Automatikboden (Aufrichteboden)
Eine Faltschachtel mit Automatikboden (auch als Crash-Lock-Boden oder Aufrichteboden bekannt) besitzt einen vorgeklebten Boden, der sich beim Aufrichten der Schachtel automatisch formt und verriegelt. Dies beschleunigt das Konfektionieren und erzeugt einen stabileren Boden als ein einfacher Steckverschluss.
Diese Schachteln sind besonders vorteilhaft für schwerere Produkte wie Flaschen, Tiegel, Kosmetika, Kerzen und andere Artikel, die eine höhere Tragkraft am Boden erfordern.
Hier ist ein noch spannenderes Beispiel: F10.42.00.00 – eine Schachtel mit automatischen Faltbodenverschlüssen an beiden Enden. Die vorgeklebten Verschlüsse richten sich beim Entfalten der Schachtel von selbst auf und ermöglichen ein rasantes Aufstellen.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Banderolen und Schuber
Eine Banderole (Sleeve) ist eine einfache Schachtelkonstruktion, die an einem oder beiden Enden offen ist und über ein Produkt, eine Schale oder eine andere Verpackung geschoben wird. Sie verbraucht verhältnismäßig wenig Material und bietet gleichzeitig eine große bedruckbare Fläche für das Branding.
Banderolen werden gern für Lebensmittel, Süßwaren, Kosmetikartikel, Geschenksets sowie in Trays verpackte Produkte wie Gläser oder Bierdosen genutzt.
In der EngView-Bibliothek parametrischer Designs finden Sie 65 standardisierte Vorlagen allein für ECMA-Faltschachteln sowie zahlreiche weitere Vorlagen für Wellpappenmaterialien.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Displayschachteln
Displayschachteln verbinden Verpackung mit wirkungsvoller Produktpräsentation. Die Schachtel lässt sich oft so öffnen, umklappen oder umformen, dass die enthaltenen Produkte direkt im Verkaufsregal oder auf dem Verkaufstresen präsentiert werden können.
Sie finden breite Anwendung bei Süßwaren, Kosmetika, Arzneimitteln, Kleinaccessoires und anderen Artikeln, die am Point of Sale mehrfach platziert werden.
Quelle: Muster aus der EngView Verpackungsdesign-Software
Weitere häufig verwendete ECMA-Codes
Neben dem bereits erwähnten, extrem verbreiteten ECMA-Code A20.20.03.01 für Zahnpasta gibt es viele weitere bewährte ECMA-Typen.
A55.21.01.03 Faltschachtel mit Hängelasche für den Einzelhandel
Das Euroloch im oberen Bereich ermöglicht es, die Verpackung an Lochwänden oder Haken zu präsentieren, während der Schnappverschluss am Boden für einen sicheren Halt sorgt und ohne Kleben manuell aufgerichtet werden kann.
Diese Ausführung eignet sich besonders für kleine, leichte Retail-Artikel wie Kabel, Adapter und weiteres Elektronikzubehör. Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
D20.50.20.00 – Achteckige Stülpschachtel
Dies ist eine achteckige Stülpschachtel, die aus zwei Teilen besteht: einem Unterteil und einem Stülpdeckel. Diese Bauform bietet sich besonders für Produkte an, bei denen die optische Präsentation im Vordergrund steht, wie Pralinen und Süßwaren, Kosmetik sowie Geschenksets.
Die großzügige Deckelfläche bietet reichlich Platz für grafische Elemente, Markenauftritte und Veredelungen wie Prägungen oder Heißfolien.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
A11.75.03.03 Giebeldachschachtel mit Steckverschluss
Diese Faltschachtel verfügt über reduzierte Bodenlaschen und ein markantes giebelförmiges Oberteil, das mit einer Verschlusslasche arretiert wird.
Sie eignet sich ideal für leichte Konsumgüter, bei denen ein sicherer Verschluss ebenso gefragt ist wie eine ansprechende Warenpräsentation – beispielsweise für Tee, Süßigkeiten, kleine Geschenkartikel und Accessoires. Durch den Giebelverschluss hebt sich die Verpackung deutlich von rechteckigen Standardschachteln ab, was sie attraktiv für Promotion-Aktionen macht.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
E22.22.00.00 – Wrap-around-Flaschenträger mit Griff
Diese ECMA-Bauform ist eine Wrap-around-Verpackung, die für die Aufnahme von zwei Flaschenreihen konstruiert wurde. Sie besitzt geschlossene Seitenteile sowie einen integrierten Tragegriff und wird üblicherweise für Multipacks von Bier, Wasser oder anderen Getränken genutzt.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
F60.14.00.00.a – Schachtel mit integrierter Schulter (Tabakschachtel)
Bei diesem ECMA-Typ handelt es sich um eine einfach geklebte Faltschachtel mit zwei Verschlussklappen und integrierter Innenschulter (Kragen).
Diese Bauweise wird typischerweise für Zigaretten- und Tabakverpackungen verwendet, bei denen der Kragen den Inhalt stützt und für das charakteristische Öffnungsverhalten eines Hardpacks sorgt. Ähnliche Konstruktionen lassen sich auch für andere Kleinerzeugnisse adaptieren, die eine kompakte, formstabile Schachtel benötigen.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
F70.01.00.00 – Kissenschachtel mit abdeckender Endlasche
70.01.00.00 ist eine kissenförmige Faltschachtel mit geschwungenen Seiten und überlappenden Verschlusslaschen an den Stirnseiten. Die charakteristische Rundform erlaubt ein simples Aufrichten und verleiht der Verpackung ein schlichtes, aber reizvolles Äußeres.
Sie findet breite Verwendung für kleine, leichte Produkte wie Schmuck, Gutscheinkarten, Kosmetik, Mode-Accessoires, Socken, Süßwaren und Werbegeschenke.
Quelle: Parametrische Bibliothek der Verpackungsvorlagen von EngView
Die Wahl der richtigen ECMA-Schachtelbauform
Beginnen Sie immer beim Produkt. Unabhängig von aktuellen Trends der Verpackungsindustrie muss die Schachtel immer funktional zum Produkt passen. Bevor Sie sich für eine Bauform entscheiden, müssen Sie genau wissen, was verpackt wird – Maße, Form und Gewicht. Berücksichtigen Sie ebenso, wie empfindlich der Inhalt ist und welcher Produktschutz erforderlich ist.
Diese Angaben bestimmen die Auswahl des Kartons sowie die Wahl des optimalen Bodens oder Verschlussmechanismus. Material und Konstruktion müssen harmonieren: Ein schwereres Produkt verlangt einen tragfähigen Boden, während ein zerbrechliches Füllgut unter Umständen ein Inlay oder zusätzliche Stützelemente benötigt, um ein Verrutschen in der Schachtel zu verhindern.
Denken Sie als Nächstes an das Nutzungserlebnis des Kunden. Wie soll sich die Schachtel öffnen lassen? Soll das Produkt durch ein Sichtfenster sichtbar sein? Und wo wird der Artikel verkauft? Eine Schachtel, die im Regal steht, stellt andere Anforderungen als eine Hängeverpackung, die am Lochwandhaken im Handel präsentiert wird.
Die Verpackungsproduktion spielt eine ebenso entscheidende Rolle. Die Art und Weise, wie die Schachtel konfektioniert und befüllt wird – manuell oder im Rahmen automatisierter Verpackungsabläufe –, kann eine Konstruktion deutlich wirtschaftlicher machen als eine andere.
Auch Verpackungseffizienz inklusive Transportoptimierung und sparsamem Materialeinsatz gewinnt an Bedeutung. Gemäß der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) dürfen Sammel-, Transport- und E-Commerce-Verpackungen maximal 50 % Leerraum aufweisen, während Verkaufsverpackungen unnötigen Leerraum auf das absolute Minimum beschränken müssen. Selbst Füllmaterialien wie Papier, Luftpolster und Luftpolsterfolie gelten nach diesen Vorgaben als Leerraum.
Anpassung einer ECMA-Faltschachtelbauform
Das Arbeiten mit einer praxiserprobten Konstruktionsbibliothek macht Schluss mit Mutmaßungen. In Zeiten digitaler Verpackungslösungen und Programmen wie EngView müssen Konstrukteure nicht mehr bei jedem Projekt auf der sprichwörtlich weißen Wiese anfangen.
Eine ECMA-Vorlage bildet die ideale Ausgangsbasis für das Design von Faltschachteln, bei der das Grundgerüst bereits fixiert ist. Die EngView-Bibliothek für Verpackungsdesigns umfasst Hunderte einsatzbereite, skalierbare ECMA-Vorlagen, die sich in Sekundenschnelle anpassen lassen. Ebenso können Sie diese Standardformen zu maßgeschneiderten Verpackungslösungen weiterentwickeln. Modifizieren Sie Verschluss- und Rastmechanismen oder ergänzen Sie Inlays, Tragegriffe und Aufreißstreifen.
Selbst nach Anpassungen bleibt der Standard voll parametrisch und lässt sich flexibel weiter skalieren. Die Software berechnet sämtliche Parameter unter Berücksichtigung aller geometrischen Beziehungen neu, sodass die Schachtelgeometrie fehlerfrei bleibt.
Sobald die Konstruktion angepasst ist, erleichtert die 3D-Verpackungsansicht die visuelle Kontrolle des Faltvorgangs und erlaubt das Einbinden eines 3D-Modells des Füllguts in die Schachtel. In EngView können Verpackungsentwickler 3D-Visualisierungen unkompliziert mit Kunden teilen, was die Freigabe und Abstimmung von Änderungen beschleunigt, noch bevor ein physisches Muster gefertigt wird.
Die Automatisierung von Verpackungsprozessen – von der Skalierung der Entwürfe bis zur Bereitstellung der Fertigungsdaten – reduziert Routinearbeiten und verkürzt die Time-to-Market erheblich.
ECMA-Schachtelbauformen im Vergleich zu FEFCO-Kistenbauformen
ECMA und FEFCO definieren weltweite Verpackungsstandards. Beide Klassifikationssysteme sind etabliert, um Verpackungskonstruktionen zu vereinheitlichen, richten sich jedoch an unterschiedliche Verpackungstypen.
Der ECMA-Code für Faltschachtel-Bauformen wird für Faltschachteln genutzt, die in der Regel aus Karton gefertigt sind. Der FEFCO-Code (offiziell International Fibreboard Case Code) dient vorrangig Verpackungen aus Wellpappe. Beide Systeme entstanden aus demselben Antrieb: ungenaue Beschreibungen und Skizzen durch normierte Codes abzulösen, die unter Verpackungsfachleuten weltweit eindeutig verstanden werden.
Der Hauptunterschied liegt im Material und dem Einsatzzweck.
ECMA-Bauformen beziehen sich typischerweise auf Faltschachteln aus dünnerem Vollkarton. Hierbei handelt es sich meist um Primärverpackungen, die Verbraucher im Laden sehen: Pharmaverpackungen, Kosmetikschachteln, Lebensmittel- und Süßwarenschachteln, Hygieneartikelverpackungen und weitere Retail-Verpackungen.
FEFCO-Bauformen hingegen sind primär für Wellpappe ausgelegt. Wellpappe besteht aus mindestens einer gewellten Papierbahn zwischen glatten Deckenbahnen und bietet dadurch deutlich mehr Polsterwirkung, Steifigkeit und Stapelstauchtoleranz. Deshalb werden FEFCO-Konstruktionen vielfach für Versandverpackungen, Transportbehälter, E-Commerce-Kartons, Industrieverpackungen sowie großformatige Verkaufsdisplays genutzt.
Allerdings sind ECMA-Schachteln keineswegs immer klein, noch dienen FEFCO-Kartons ausschließlich als große Versandkisten: Die Einsatzgebiete überschneiden sich spürbar. So wird etwa Feinstwellpappe vermehrt für hochwertige Konsumgüterverpackungen herangezogen, während auch Vollkartonverpackungen beim Transport Schutzeigenschaften erfüllen können. Die Unterscheidung liegt vor allem in der Kartonsorte und den Konstruktionsprinzipien, für die jedes Codierungssystem historisch entwickelt wurde.
Quellen:
Wichtigste Vorteile
Standardisierte Designs
Nutzen Sie international anerkannte Schachtelkonstruktionen für eindeutige Kommunikation.
Weniger Konstruktionsfehler
Arbeiten Sie mit bewährten Konstruktionen, um Fehler im Verpackungsdesign zu minimieren.
Schnellerer Designprozess
Passen Sie vorgefertigte Vorlagen in Sekundenschnelle an und skalieren Sie flexibel.
Effiziente Fertigung
Sparen Sie Konstruktionszeit und optimieren Sie die Vorbereitung der Schachtelproduktion.
Fazit
ECMA-Codes machen das Faltschachteldesign verständlich, standardisiert und produktionssicher. Mit den parametrischen Verpackungsvorlagen von EngView passen Designer bewährte Konstruktionen zügig an und bereiten sie optimal auf die Fertigung vor.
Nutzen Sie sofort einsatzbereite ECMA-Vorlagen, passen Sie Konstruktionen in Sekundenschnelle an und optimieren Sie die Produktion mit professioneller CAD-Software.
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Die ECMA ist die European Carton Makers Association. Sie veröffentlicht den ECMA-Code für Faltschachtel-Bauformen, ein anerkanntes System zur Klassifizierung von Faltschachtelkonstruktionen.
Der erste Buchstabe bezeichnet die Hauptgruppe. Die nachfolgenden Ziffern definieren konstruktive Merkmale innerhalb dieser Gruppe. Ihre Bedeutung richtet sich nach der jeweiligen Gruppe und ist der ECMA-Klassifikation zu entnehmen.
ECMA-Codes klassifizieren Faltschachteln, die überwiegend aus Vollkarton gefertigt werden. FEFCO-Codes klassifizieren Kisten und Schachteln aus Wellpappe. Welches System maßgeblich ist, richtet sich nach Material und Konstruktionstyp.
Nein. Der Code beschreibt rein die Bauform. Maße müssen individuell definiert und an Füllgut, Materialbeschaffenheit, Fertigungsverfahren sowie Konfektionierungsprozesse angepasst werden.
Ja. Eine Standardform dient oft als Basis für Ergänzungen wie Sichtfenster, Inlays oder alternative Verschlüsse. Prüfen Sie bei Modifikationen, ob der ECMA-Code das fertige Design weiterhin zutreffend beschreibt.
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