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Blick in den Verpackungsmarkt: Was Kunden heute fordern

Blick in den Verpackungsmarkt: Was Kunden heute fordern

Was verändert sich derzeit in der Verpackungsindustrie? Wir haben Kris Hanchette, Vladimir Dimitrov, Matheus Pires und Christian Theiss gefragt, was sie direkt von Verpackungs- und Display-Herstellern aus verschiedenen Märkten hören. 

Obwohl sich die Kundenbedürfnisse je nach Region unterscheiden, treten mehrere Prioritäten immer wieder auf: schnellere Workflows, größere Flexibilität, strengere Kostenkontrolle und Technologien, die einen klaren geschäftlichen Nutzen belegen. 

Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil 

Eine Botschaft wird besonders deutlich: Kunden wollen alles schneller. 

Vladimir Dimitrov, Sales Manager EMEA bei EngView, bringt 18 Jahre Erfahrung in der Druck- und Verpackungsindustrie mit. Er sieht diesen Druck besonders deutlich in der Konstruktionsabteilung, wo Verpackungsunternehmen nach Wegen suchen, die Entwurfszeit zu verkürzen, effizienter mit fehlerhaften Kundendateien umzugehen und bestehende Konstruktionen wiederzuverwenden, anstatt von Grund auf neu zu beginnen. 

Qualifizierte Verpackungsdesigner zu finden, ist eine weitere Herausforderung. Gleichzeitig verlassen sich viele Unternehmen nach wie vor stark auf Adobe Illustrator oder ältere CAD-Systeme, sodass die Kompatibilität mit etablierten Workflows zu einem wichtigen Kriterium bei der Einführung neuer Tools wird. 

Christian Theiss, Geschäftsführer der EngView Systems GmbH, sieht denselben Druck aus einem anderen Blickwinkel. Kunden in der DACH-Region agieren unter anspruchsvollen Marktbedingungen, während ihre eigenen Auftraggeber immer kürzere Durchlaufzeiten erwarten. 

Wie Christian es formuliert: „Deren Kunden wollen alles schon gestern fertig haben.“ 

Geschwindigkeit gewinnt daher im gesamten Arbeitsablauf an Bedeutung – vom Eingang einer Anfrage über das Structural Design bis hin zu Produktion und Auslieferung. Dieser Wunsch nach schnellerer Abwicklung ist eng mit einem weiteren Trend verknüpft: dem steigenden Bedarf an kleineren Produktionsauflagen. 

Büro in einem Verpackungsunternehmen bei der Arbeit mit EngView Verpackungs- und Display-Designer

Kleinauflagen und Just-in-Time-Verpackungen nehmen zu 

Kris Hanchette, President von EngView North America, blickt auf fast 40 Jahre Branchenerfahrung zurück. Für ihn gehören Verpackungen und Displays in Kleinauflagen sowie die Just-in-Time-Fertigung zu den stärksten aktuellen Entwicklungen. 

Kunden benötigen immer häufiger Verpackungen für kleinere Produktchargen, Sonderaktionen, Messen und spezifische Einzelhandelsprojekte. Auch POP-Displays und Designs für Messestände stoßen auf wachsendes Interesse. 

Für Verpackungshersteller bringt dies neue Herausforderungen in der Produktion mit sich: Sie müssen eine größere Vielfalt an Aufträgen bewältigen, ohne dass Rüst- und Konstruktionszeiten kleinere Projekte unrentabel machen. 

Für Designteams wird es daher immer wichtiger, Entwürfe rasch zu importieren, Kundendaten zu bereinigen, bestehende Strukturen anzupassen und für die Produktion vorzubereiten. 

Kleinere Auflagen sind zudem eng mit einer weiteren Kundenerwartung verbunden: einer stärkeren Individualisierung. 

Kunden fordern maßgeschneiderte Lösungen 

Individualisierung zeigt sich je nach Markt in unterschiedlichen Formen. 

Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Verpackungsindustrie sieht Matheus Pires, CEO von EngView Latin America, in hochwertigem, persönlichem Service einen entscheidenden Weg, wie sich Unternehmen von Mitbewerbern abheben können. 

Im Display-Markt beobachtet er außerdem das Interesse an Displays im Origami-Stil sowie die Nachfrage nach einer umfangreicheren Bibliothek anpassbarer Displayprojekte. 

Christian sieht eine vergleichbare Entwicklung im DACH-Raum, wo maßgeschneiderte Produktionen und geringere Stückzahlen immer wichtiger werden. 

Zusammenfassend deuten diese Beobachtungen darauf hin, dass Flexibilität zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor wird. Verpackungsunternehmen müssen in der Lage sein, auf ungewöhnliche Anfragen, kleinere Auflagen und individuelle Kundenwünsche zu reagieren, ohne den Zeitaufwand in Konstruktion und Produktion unnötig zu erhöhen. 

Größere Flexibilität muss sich jedoch auch wirtschaftlich lohnen. Das bringt einen weiteren entscheidenden Faktor ins Spiel: die Kosten. 

Technologie muss zu den Arbeitsabläufen passen 

Die Einführung neuer Software ist nicht allein eine Entscheidung des Managements. 

Erfahrene Verpackungsdesigner arbeiten oft seit vielen Jahren nach festen Routinen. Selbst wenn das Management die Vorzüge einer spezialisierten CAD-Verpackungssoftware erkennt, ziehen es Konstrukteure mitunter vor, weiter mit vertrauten Werkzeugen wie Adobe Illustrator zu arbeiten. 

Vladimir hat das in Kundengesprächen selbst erlebt: In einem Fall erkannte ein Unternehmen das Potenzial einer dedizierten CAD-Lösung, die Designer bevorzugten jedoch ihren vertrauten Workflow in Illustrator. In einem anderen Fall sah ein junges Verpackungsunternehmen zwar den Mehrwert der Software, zögerte jedoch vor der Anfangsinvestition und entschied sich stattdessen für eine monatliche Mietoption. 

Diese Beispiele belegen, warum Schulung, Benutzerfreundlichkeit und klare Produktivitätsvorteile fast genauso entscheidend sind wie die Technologie selbst. 

Fügt sich ein neues Werkzeug nahtlos in den Workflow ein, kann der Nutzen unmittelbar spürbar sein – insbesondere, wenn Ideen schneller vermittelt und Kundenfreigaben zügiger eingeholt werden können. 

Automatische Bogenanlegemaschine mit Vakuum in der Druck- und Verpackungsfabrik, automatische Papiertütenmaschine, Technologie der Verpackungsindustrie industrielle Automatisierung

Jede Investition muss ihren Nutzen beweisen 

Das wirtschaftliche Umfeld beeinflusst Beschaffungsentscheidungen maßgeblich. 

Matheus Pires verweist auf hohe Steuern, niedrige Margen und starken Wettbewerb – vor allem durch größere Konzerne, die Rohstoffe in großen Mengen beschaffen und dadurch günstigere Preise bieten können. 

Christian beobachtet ähnliche Belastungen im DACH-Markt, wo hohe Energiekosten die Lage zusätzlich verschärfen. 

Folglich prüfen Unternehmen genauer, wie neue Technologien die Produktivität steigern und Kosten senken können. 

Vladimir betont, dass Kunden verstärkt auf einen messbaren Return on Investment (ROI) achten und gleichzeitig preissensibler werden. Das Vorführen beeindruckender Funktionen reicht allein nicht mehr aus. 

Kunden wollen genau wissen, wie viel Zeit eine Lösung spart, wie einfach sie sich in bestehende Prozesse integrieren lässt und welchen konkreten Mehrwert sie für das Unternehmen generiert. 

Dieser Fokus auf den ROI beeinflusst auch einen weiteren Faktor: wie reibungslos sich neue Technologien von den Mitarbeitern im Arbeitsalltag annehmen lassen. 

Digitales Proofing verkürzt den Freigabeprozess 

Kris berichtete von einem aktuellen Beispiel eines Kunden mit speziellen Display-Anforderungen. 

Nach einer Besprechung um 10:00 Uhr lag bereits um 12:30 Uhr ein Augmented-Reality-Proof des vorgeschlagenen Designs vor. 

Statt auf ein physisches Muster zu warten, konnte der Kunde das Konzept sofort begutachten, dessen Wirkung im realen Umfeld beurteilen und direkt Feedback geben. 

Bei individuellen Displays, Kleinserien und zeitkritischen Projekten können 3D-Visualisierung und Augmented Reality die Zeitspanne vom ersten Entwurf bis zur Kundenfreigabe drastisch verkürzen. 

Hier zeigt sich der praxisnahe Nutzen moderner Technologien: Sie erweitern nicht nur den Konstruktionsprozess um Funktionen, sondern machen bestehende Abläufe spürbar schneller und effizienter. 

Display EngView Augmented Reality

Worauf setzen Verpackungshersteller Prioritäten? 

Betrachtet man die Erfahrungen von Kris, Vladimir, Matheus und Christian, gibt es keine einzelne Technologie, die den Markt allein prägt. 

Stattdessen bestimmen mehrere zusammenhängende Faktoren die Entscheidungen der Kunden: 

  • Schnellere Workflows in Konstruktion und Produktion 
  • Kleinauflagen und Just-in-Time-Verpackungen 
  • Stärker individualisierte Verpackungen und Displays 
  • Automatisierung mit klarem praktischem Nutzen 
  • Bessere Kontrolle der Produktions- und Betriebskosten 
  • Technologien mit messbarem ROI 
  • Schnellere digitale Visualisierung und Kundenfreigaben 

Die Richtung ist eindeutig: Verpackungsunternehmen müssen agiler und schneller werden, ohne unnötige Kosten zu verursachen. 

Da Kunden immer kürzere Lieferzeiten, mehr Personalisierung und wettbewerbsfähige Preise fordern, werden diejenigen Betriebe im Vorteil sein, die ihre Workflows vereinfachen und flexibel auf neue Anforderungen reagieren. 

 

 

 

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